Gefunden in der Zeit:
Als sich Jungspunde und Backfische im Lichtspielhaus noch Straßenfeger anschauten, gab es keinen
Babo. Es war die Zeit, als Gouvernanten "Sapperlot"
sagten und Müßiggänger "Potzblitz". Schwerenöter stiegen noch keck den
Fräuleins nach, und Hagestolze mit ihren Schrullen bekamen stets
Fracksausen, wenn Ganoven in der Spelunke ein Herrengedeck bestellten.
Einen
Babo
kannte da niemand, weder der Sittenstrolch noch der Pennäler.
Heute, da wird uns ganz blümerant, ist der
Babo
das Jugendwort des Jahres und der Sittenstrolch ein vom
Aussterben bedrohtes Wort. Fürwahr. Das Jungvolk hat uns ganz ohne
Remmidemmi eine Depesche zukommen lassen, wonach der
Babo
aus dem Türkischen stammt und so etwas wie "Boss" oder "Anführer" bedeutet. Wir goutieren das – und zwar
in your face,
dem Viertplatzierten beim wohlfeilen Jugendwort-Wettstreit.
Gediegen, Platz drei.
Beim Nachdenken über Jugendsprech und Aussterben kommen wir hurtig in
die Bredouille: Wie lautet eigentlich das politische Wort des Jahres
2013? Veggie-Day, Mütterrente oder Professorenpartei? GroKo, Ströbele,
Frau Spinat mit Ei oder die Sendung mit der Maut? Oder, frei nach Fanta
4:
NSU, AfD und NSA;
FDP, SPD und USA,
CDU, Sie kennen mich ja, tatütata?
Nach unserem Gutdünken kann das Polit-Wort 2013 nur "Stinkefinger" heißen. Stinkefinger hätte
swag. Wenn swag, Jugendwort 2011, nicht gerade ausgestorben wäre.
Samstag, 7. Dezember 2013
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
Da schau mal einer an! Babo ... hätte ich ohne Erklärung nicht verstanden.
Aber recht haben die Autoren. Stinkefinger ist jawohl x-mal besser als GroKo. Ist ja eigentlich auch gar kein Wort ... .
Kommentar veröffentlichen